|
|
Menschenbild |
|
Die Julirevolution in Paris (1830) entwickelt sich zu einer europaweiten Bewegung, dessen Zentrum die französische Hauptstadt wird, deutlich unter dem Einfluß französischer Literaten wie etwa Viktor Hugo. Neben den Erfolgen Aubers und Meyerbeers an der Grand Opéra stellt Hector Berlioz im Jahre 1830 die Symphonie fantastique fertig, bevor in den folgenden Jahren Paganini (bereits am Lebensabend angelangt), Liszt und Chopin bezüglich des Begriffes der Virtuosität neue Maßstäbe setzen. Überdies wirkt Schumann durch poetische Musik und geistvolle Kritik, während Mendelssohns Klassizismus Aufsehen erregt. Überdies bietet Wagners Opernschaffen erste Höhepunkte. Auch die Revolution in Deutschland 1848 hinterlässt deutliche Spuren, denen sich jene Komponisten nicht entziehen können.
Felix
Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Geboren in Hamburg, sind erste kompositorische Gehversuche bereits im Alter von elf Jahren anzusetzen, worauf fortan dauerhafte Kompositionstätigkeit folgt. Nach europaweiten Reisen zu Anfang der 1830er Jahre kehrt M.B. in seine Wahlheimat Berlin zurück, wo er 1842 Preußischer Generalmusikdirektor wird, nachdem er unter anderem bereits in Düsseldorf als Musikdirektor gewirkt hat. 1847 stirbt M.B. in Leipzig. Sein Oeuvre umfasst u.a. fünf Sinfonien, Bühnenwerke (“Die Hochzeit des Camacho”, UA 1827), Oratorien sowie kirchliche und weltliche Musik (Chöre), Kammermusik, Klavierstücke, drei Klavier- und zwei Violinkonzerte. Musikalisch ist der Pianist, Dirigent und Komponist M.B. im Bereich der Klassik anzusiedeln, obgleich seine Werke durch den deutlichen Einbezug lyrischer Formen romantische Züge aufweisen.
Robert
Schumann (1810-1856)
Geboren in Zwickau,
erhält S. ab seinem achten Lebensjahr Klavierunterricht. Ab 1828
beabsichtigt er ein Jurastudium, welches er jedoch leidenschaftslos beendet,
um sich völlig der Musik zu widmen. In den dreißiger Jahren entstehen
erste Klavierkompositionen, bevor er Clara Wieck, eine bekannte deutsche
Pianisten, heiratet. Er gründet die Neue Zeitschrift für Musik,
kann sich jedoch im folgenden als Lehrer und Dirigent aufgrund seiner
introvertierten, romantisch-idealistischen Haltung nicht durchsetzen; auch
ist sein kompositorisches Schaffen wenig bekannt. Durch Mendelssohn
Bartholdy gelangt er schließlich im Jahre 1843 an das Konservatorium in
Leipzig, bevor er ein Jahr darauf Chorleiter in Dresden wird. Die letzten
Jahre seines Lebens verbringt er unter Depressionen in einer Nervenanstalt.
S. stirbt in der Nähe von Bonn. Schumanns Schaffen, welches als zentral für die Hochromantik angesehen werden kann und direkt nach Beethovens und Schuberts Tod einsetzt, weist eine starke Bindung zur Dichtkunst und ein vielgestaltiges Klavierwerk auf. Die Sonatenform findet in S.s Werk eine besondere Behandlung, wird sie doch durch Aneinanderreihung kurzer Stücke zu zyklenartigen Gebilden geschickt vermieden. Seinen insgesamt vier Sinfonien merkt man deutlich den Einfluß Beethovens an, dessen Größe jedoch nicht erreicht wird. Herausragend im Bereich der Orchesterwerke sind neben einigen interessanten Opern das Klavierkonzert a-moll. Sein Gesamtwerk umfasst überdies zahlreiche Kammermusikstücke und Vokalwerke.
Daniel
Francois Esprit Auber (1782-1871)
Von Cherubini gefördert, widmet sich der zunächst im kaufmännischen Bereich tätige Auber (geb. in Caen) alsbald vollständig der Musik. Seine größten Erfolge verbucht Auber mit insgesamt 49 Opern, zu deren berühmtesten Die Stumme von Portici (1828) und Manon Lescaut (1856) gehören. Ab Anfang der 1840er Jahre wird er Direktor des Pariser Conservatoire, 1857 zum kaiserlichen Kapellmeister ernannt. Auber stirbt 1871 in Paris. Giacomo
Meyerbeer (1791-1864)
M. wird in verhältnismäßig reichen Verhältnissen in der Nähe Berlins geboren. Im Alter von 25 Jahren geht er nach Italien, wo er mit italienischen Opern erste Achtungserfolge zu erzielen vermag. Im Jahre 1831 siedelt er nach Paris über, um im Rahmen der Grand Opéra französische Opern zu schreiben beginnt. Bereits nach kurzer Zeit gilt er als Opernkomponist von Weltruf, der besonders durch großangelegte Bühnendarstellungen und geschickte Verquickungen verschiedener Nationalstile zu überzeugen weiß. 1864 stirbt M. in Paris. Zu seinen berühmtesten Werken gehören „Robert le diable“ (1831), Les Huguenots (1836) und l’Africaine (1864).
Hector Berlioz (1803-1869)
Der in Côte-Saint-André geborene B. beabsichtigt zunächst ein Medizinstudium, was er jedoch kurze Zeit darauf aufgibt, um am Pariser Conservatoire eine Ausbildung zu genießen. 1830 erhält B. den Rompreis, der ihm ein Stipendium in Italien ermöglicht. Im Ausland erfreuen sich seine Werke zeitlebens größerer Beliebtheit als in Frankreich. Programmmusik und die Realisierung einer „ideé fixe“ spielen in seinem Gesamtwerk eine ebenso große Rolle wie auch der deutliche Einfluß von beethovenscher Sinfonik. 1869 stirbt B. in Paris. Zu seinen berühmtesten Werken gehören neben der Oper Les Troyens
(1855-58) die drei Sinfonien Symphonie Fantastique (1830), Harold
en Italie (1834) beziehungsweise Roméo et Juliette (1839).
Neben kompositorischer Tätigkeit sei auch Berlioz’ Wirken als Theoretiker
erwähnt; herausragend hier die 1843 erschienene Abhandlung über
Orchestration (Traité d’instrumentation et d’orchestration moderne). Franz von Liszt
(1811-1886)
Der deutsch-ungarische Pianist und Komponist wächst zunächst in Raiding auf, bevor er über Wien nach Paris geht und europaweit Erfolge feiert. Zu seinen Lehren gehören Salieri, Paer, Czerny und Reicha. Ab 1848 lebt er in Weimar zusammen mit der Fürstin Caroline von Sayn-Wittgenstein. Zwei Dinge prägen Liszt von nun an in besonderer Weise: Fortan gilt er als einer der bedeutendsten virtuosen Pianisten, der auch als Lehrer keine unbedeutende Rolle spielt. Ferner widmet er sich verstärkt der Verbindung von Dichtung und Komposition, die in der von ihm ins Leben gerufene Gattung der Sinfonischen Dichtung Bedeutung findet. Liszt gilt als herausragende Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts, dem auch im Blick auf das folgende 20. Jahrhundert Pionierfunktion zukommt. 1886 stirbt Liszt in Bayreuth. Sein Oeuvre umfasst Zahlreiche Orchesterwerke (darunter viele Sinfonische Dichtungen und einige Klavierkonzerte), Klavierwerke, Bearbeitungen und Vokalwerke.
Richard Wagner
(1813-1883)
In Leipzig geboren, verbringt W. seine Jugend zunächst bei seinem Stiefvater, einem Schauspieler. Im Alter von 15 Jahren besucht er das Gymnasium in Leipzig, um hier ab 1831 ein Musikstudium bei Thomaskantor Weinlig aufzunehmen. 1833 wird W. Opernkapellmeister in Würzburg, wo er seine erste Oper Die Feen schreibt (1834). Im gleichen Jahr geht er nach Magdeburg, um zwei Jahre später nach Königsberg und Riga zu ziehen. Im März 1839 verliert er jedoch seine Stellung als Opernkapellmeister, was ihn in eine finanzielle Notlage bringt. Er flieht schließlich über London nach Paris, um mit der Dichtung und Komposition der Oper Der Fliegende Holländer (UA Dresden) zu beginnen. Als Hofkapellmeister geht er nach Dresden, wo er der Arbeit am Tannhäuser nachgeht. Kurze Zeit später jedoch (1849) wird er steckbrieflich gesucht – dieses zwingt ihn, ins Asyl nach Zürich zu gehen, wo er das erste Mal seit seiner Kindheit einen längeren Zeitraum (1849-58) verbringt. In dieser Zeit beginnen unter anderem die Arbeiten zu Tristan, dem Rheingold, der Walküre und Siegfried. In den Jahren zwischen 1858 und 1861 begibt sich W. auf Reisen nach Venedig, Luzern und Paris, wo er Tristan und Isolde beendet. Eine Amnestie 1862 ermöglicht ihm eine Reise nach München, wo er 1865 der Uraufführung des Tristan unter Leitung von Hans von Bülow beiwohnt. Die Meistersinger von Nürnberg werden 1867 fertig gestellt, bevor W. schließlich nach Bayreuth zieht, um seinen Lebensabend zu bestreiten. Der Bau des Festspielhauses 1872-76, die Komposition der Götterdämmerung (1869-1974) und die Uraufführung des Ring 1876 beziehungsweise des Parsifal 1882 sind die letzten bedeutenden Ereignisse im Leben Wagners. Die Zeit im Züricher Asyl fällt mit einem Umbruch im Schaffen Ws. Zusammen. Ab jenem Zeitpunkt widmet sich W. unter Abkehr von der romantischen Oper verstärkt dem Musikdrama, welches sich durch die Idee eines Gesamtkunstwerkes auszeichnet. (s. Musikdrama und Romantische Oper). W. wird fast ausnahmslos im Rahmen seiner Musikdramen genannt, in denen überdies eine Leitmotivtechnik herausragt, die ganzheitlich in Anlage und Satz in Erscheinung tritt. |
|