Epochen-Übersicht

 

 
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    der Renaissance
  Die fünf Ären der Renaissance
  Ausblick
 

Eine Einteilung in fünf verschiedene Ären, gegliedert nach Schaffenszeiten der Komponisten, erscheint in der Renaissance sinnvoll, wobei es unvermeidlich zu Überschneidungen kommt.
 

1.  Ära (1400- ca. 1460)

 Im Mittelpunkt des burgundischen Reiches liegt Cambrai, die Geburtsstätte von Guillaume Dufay (ca. 1400 – 74). Bei Dufays etwa 200 Kompositionen handelt es sich vornehmlich um Hymnen, Motetten, Magnificats, Messzyklen beziehungsweise Messensätze. Neben dem Engländer John Dunstable ( ca. 1380-1453) gilt Dufay als wichtigster Vertreter frühneuzeitlicher Musik.

 Auch der um 1400 in Mons geborene Gilles Binchois sei in diesem Zusammenhang erwähnt, sein Schaffen jedoch widmet sich (im Gegensatz zu Dufays kirchlicher Orientierung) vor allem dem dreistimmigen französischen Chanson, dem er in über 50 Kompositionen neue Impulse zu geben vermag. Überdies komponiert er zahlreiche Messensätze, vier Magnificats sowie 30 weitere Motetten und Hymnen in lateinischem Text.
 

2.  Ära (1450-1490)

Neben dem späten Dufay wäre hier zunächst Johannes Ockeghem aus Ostflandern zu nennen (ca. 1425 – 1495). Sein Lehrer war aller Wahrscheinlichkeit nach Binchois. Bekannt ist Ockeghem insbesondere durch seine ausdrucksstarke Musik, die er durch eine hohe kontrapunktische Dichte erreicht. Es sind neben einem Requiem sieben Motetten, 17 Messen und 22 Chansons überliefert.

Ferner fällt in diesen Zeitraum das Leben von Antoine Busnois (Geburtsdatum unbekannt, gest. 1492), dessen Oeuvre drei Messen, zwei Magnificats, sieben Motetten und über 60 höchst innovative vierstimmige Chansons beinhaltet.   
 

3.  Ära (1470-1530)

 Die dritte Ära wird hauptsächlich vertreten durch den aus Nordfrankreich stammenden Josquin Desprez  (ca. 1440 – 1521) -  daher auch die weitverbreitete Assoziation dieser dritten Ära mit „Josquin-Zeit“. Als weitere prägende Komponisten gelten Jacob Obrecht (1450 – 1505) und Heinrich Isaak (ca. 1450 – 1517).

 Desprez wurde vermutlich von Ockeghem ausgebildet. Er gilt als der berühmteste Komponist der mittleren (dritten) Musikergeneration der Renaissance. Neben den Messen Pange lingua und Da pacem komponiert er 17 weitere (zusammengefasst in drei Büchern „Misse Josquin“).  Des weiteren widmet sich der Komponist zahlreichen Motetten und französischen Chansons, in denen er vor allem den durchimitierenden A-capella-Stil perfektioniert. Sein Wirken in Italien (besonders als Anhänger der päpstlichen Sängerkapelle in Rom)  gilt als wichtiger Vorbote für die Verlagerung des Zentrums der Renaissance nach Italien.

 Als einer der wenigen tatsächlich aus den Niederlanden stammenden Komponisten hinterlässt Jacob Obrecht (ca. 1450 – 1505) neben der zyklischen Vertonung des Ordinarium Missae zahlreiche Motetten. Seine weltlichen Werke weisen durchweg niederländische Texte auf.

Um 1450 wird Heinrich Isaak in Flandern geboren. Auch er reiste des öfteren nach Italien, wo er als Organist arbeitete (Florenz). Seine Fähigkeiten können als „international“ verstanden werden, beherrscht er doch sowohl den deutschen, den franko-flämischen als auch den italienischen Stil. Heinrich Isaak zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Liedschaffen aus, wobei auch einige Messen zu seinem Oeuvre gehören (Missa carminum u.a.).

Im Schatten dieser „Josquin-Ära“ entwickelt sich auch eine deutsche polyphone Musik, welche deutlich von der franko-flämischen Tradition inspiriert ist. Neben Messen und Motetten seien hier auch weltliche Lieder genannt, als deren wichtigste Vertreter Adam von Fulda (um 1450 – ca. 1500) und Alexander Agricola ( um 1445 – 1506) zu zählen sind. Zu finden sind jene Lieder unter anderem im „Schedelschen Liederbuch“ (um 1466).
 

4.  Ära (1530-1560)

Die berühmtesten Vertreter dieser Ära sind Nikolas Gombert (ca. 1500-60), Jacobus Clemens non Papa (ca. 1513 – 1556) und Adrian Willaert ( 1480 – 1562).

Gombert ist Schüler Josquins und wirkt ab circa 1525 in der Hofkapelle Karls V. als Sänger mit. Später geht er nach Tournai, wo er seinen Lebensabend verbrachte und starb. Sein Schaffen umfasst hauptsächlich Motetten (160), zehn Messen (die meisten davon Parodiemessen), acht Magnificats, ein italienisches Madrigal und 60 Chansons.

Jacobus Clemens non Papa (als Abgrenzung zum Dichter Jacobus Clemens Papa) aus Middelburg wirkt ab 1544 als Sangmeister in Brügge, bevor er 1556 in Dixmuiden stirbt. Von ihm sind neben zahlreiche Messen und Motetten, in denen er mit einem kontrapunktisch eher einfacheren Satz arbeitet, weit über 100 dreistimmige holländische Psalmlieder überliefert.

Nicht zuletzt war es Willaerts Verdienst, das musikalische Zentrum der Renaissance-Musik nach Italien zu bringen. Er gilt als Gründer der sogenannten Venezianischen Schule. Von ihm gehen wichtige neue „Lehrer-Schüler-Stammbäume“ aus, welche bis zu Heinrich Schütz reichen. Ebenfalls gehört der Italiener Nicola Vicentino zu seinen Schülern, der in seiner Abhandlung L’antica musica ridotta alla moderna pratiqua Enharmonik und Chromatik behandelt und sich für diese ausspricht. Hieraus wird nur allzu deutlich, welch wichtige Rolle in der Renaissance Italien inzwischen spielt – insbesondere sind es von nun an die für die Musikgeschichte wichtigen innovativen Impulse, die von hier ausgehen; das franko-flämische Zentrum ist inzwischen Italien als Heimat bedeutender Komponisten und Theoretiker gewichen.
 

5.  Ära (1550-1600)

Die fünfte Ära wird maßgeblich von Giovanni Pierluigi da Palestrina (ca.1525 – 1594) aus Palestrina bei Rom und Orlando di Lasso (1532-1603) aus Mons im Hennegau bestimmt. Hier kann man, wie bereits formuliert, den Höhepunkt der Vokalpolyphonie ansetzen.

Palestrina gilt als Hauptvertreter der Römischen Schule, die sich überwiegend durch geistliche Musik (Motetten und Madrigale), den A-capella-Stil, eher fließende rhythmische Strukturen und eine Verquickung der franko-flämischen Mehrstimmigkeit mit der italienischen Melodik auszeichnet. Als typische Merkmale im Schaffen Palestrinas gelten unter anderem die Selbständigkeit der Stimmen, die sangliche Melodik, das „Ausgleichen“ großer Intervallsprünge mit einer Gegenbewegung im Sekundschritt, eine vorwiegende Verwendung des fünf- oder sechsstimmigen Satzes etc. Palestrina hinterlässt über 100 Messen, sieben Bücher mit Motetten, zahlreiche Lamentationen, Magnificats, Offertorien, Litaneien und Madrigale.

Orlando di Lasso wird zunächst als Sängerknabe ausgebildet, bevor er um 1553 Kapellmeister am Lateran in Rom wird. Innerhalb seines Oeuvres ist keine spezielle Ausrichtung in weltliche oder kirchliche Musik erkennbar, vielmehr deckt er beide Gebiete mit einer überwältigenden Anzahl von Werken gleichermaßen ab: Über 500 Motetten, mehr als 70 Messen, zahlreiche Passionen, Magnificats, Hymnen und Litaneien sind von di Lasso überliefert, während er im Rahmen weltlicher Musik mehr als 200 italienische Madrigale, Villanesken und Moresken, über 150 französische Chansons und fast 100 deutsche Lieder zu seinem Schaffenswerk zählen kann.

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