Epochen-Übersicht

 
 
  

 
  Geschichte/ Menschenbild
  Zur Musik
  Verläufe, Richtungen und
    Komponisten bis zum
    2. Weltkrieg
  Verläufe, Richtungen und
   Komponisten ab 1950
  Abschließende
   Betrachtungen
 

Zunächst wirkt die bereits erwähnte Richtung des Impressionismus (s.o.), bevor die hauptsächlich deutsche Erscheinung des Expressionismus in Erscheinung tritt, in dessen Mittelpunkt Arnold Schönberg steht. Es folgen Elemente des sogenannten Bruitismus, der den Einzug von alltäglichen Geräuschen beschreibt. Hier ist die Stilrichtung des Futurismus erreicht, der etwa bis 1920 präsent ist.  Bald darauf wenden sich führende Komponisten klassizistischen Elementen zu (Neoklassizismus). Die einzelnen Stilrichtungen sollen im folgenden ausführlich unter Einbezug von Komponistenbiographien erklärt werden.

 

Impressionismus
 

Der I. ist zunächst eine fast ausschließlich französische Erscheinung, die ihren Namen der Malerei (einem Bild Monets) entnimmt. Stimmung und Atmosphäre gilt es hier auszudrücken, wobei insbesondere irrationale, phantastisch-athmosphärische Elemente dem rationalen Naturalismus entgegenwirken. Als wichtigste Vertreter gelten zunächst Debussy und Ravel (für eine ausführlichere Erklärung siehe Romantik).

Auch in Spanien, Deutschland/Österreich, Russland und England ist der  I. vorhanden, obgleich dessen internationale Bedeutung in der Musikgeschichte weit hinter der des französischen I. zurückbleibt.

 

 

Expressionismus
 

Unter E. versteht man die Kunstrichtung des ersten und zweiten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts, die als direkte Reaktion auf den Impressionismus zu verstehen ist. Musikalisch ist hierunter das Streben nach freiem, spontanen und subjektiven Ausdruck von Relevanz. Die endgültige Ablösung von Tonalität und überkommenen Bindungen steht ebenso im Mittelpunkt, wobei die Struktur jedoch stets genau bedacht ist. Der E. lässt sich nur schwer als stringenten Stil bezeichnen, wird er doch von den verschiedenen Komponisten in sehr persönlicher Manier behandelt.   

Folgende Komponisten sollen in diesem Zusammenhang Erwähnung finden:

 

Arnold Schönberg (1874-1951)

 In Wien geboren, gilt S. weitestgehend als Autodidakt, obgleich er kurzzeitig durch seinen Schwager v. Zemlinsky einen Einblick in die Kompositionstechnik erhält. Nach Tätigkeit als Kapellmeister am Berliner Kabarett „Überbrettl“ unterrichtet er kurze Zeit am Sternschen Konservatorium in Berlin, bevor er sich als Komponist und Kompositionslehrer (unter anderem von Alban Berg und Anton Webern) wieder nach Berlin begibt. Nach nochmaliger Tätigkeit am Sternschen Konservatorium wird er in Österreich zum Militärdienst einberufen, um darauf in seinen „Seminaren für Komposition“ Eisler, Ratz, Serkin und Rufer zu unterrichten.  Ab 1925 wirkt S. als Nachfolger Busonis an der Akademie der Künste, wo er 1933 entlassen wurde. Er emigrierte nach Los Angeles, wo er an der University of California einen Lehrstuhl für Musik besetzt.

 Kompositorisch knüpft S. zunächst an die Spätromantik mit bezug auf Wagner an, bevor er sich im folgenden (ab 1909) der atonalen Musik widmet und damit von der Tonika als tonalem Zentrum distanziert (drei Klavierstücke op.11, 1909). Als eines der ersten Beispiele der sogenannten Zwölftontechnik (Dodekaphonie) gelten Ss. fünf Klavierstücke op.23, 1923.

S. versteht sein Oeuvre stets als logische Konsequenz beziehungsweise Ausbau der österreichischen Musiktradition. Seine Auswirkungen im Hinblick auf die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts können nicht hoch genug bewertet werden; sowohl als Komponist wie auch als Lehrer hinterlässt er ein reiches Erbe an neuen Bezugs- und Orientierungspunkten. Die Tatsache, dass er nie wirklich professionell ausgebildet wurde, trägt vermutlich entscheidend zu seinem innovativen Schaffen bei, obgleich er hierdurch des öfteren zum Ziel von mitunter herber Kritik wird. 

 

Igor Strawinski (1882-1971)

Geboren in Lomonossow als Sohn eines Bassisten an der kaiserlichen Oper in Petersburg, wird S. 1903 Schüler von Rimski-Korsakow. Seine kompositorische Tätigkeit ist etwa  1905 anzusetzen. Ab 1920 lebt er in Paris, um 19 Jahre später nach Kalifornien überzusiedeln. Viele internationale Tourneen bieten ihm die Möglichkeit, seine Werke als Dirigent und als Pianist zu interpretieren. 1971 stirbt S. in New York.

In seinen zahlreichen Bühnenwerken (z.B. L’oiseau de feu 1910, Petruschka 1911) , Orchesterwerken (u.a. Le sacre du printemps, 1913), Kammermusikstücken, Klavier- und Chorwerken, Sologesängen und Bearbeitungen zeichnet sich S. durch eine starke Betonung rhythmischer Elemente und virtuoser Instrumentationstechnik aus; ferner lehnt er sich in seinem Spätwerk deutlich an die Schönbergsche Zwölftonmusik an.

 

Béla Bartók (1881-1945)

Der in Nagyszentmiklós (heute Rumänien) geborene ungarische Komponist und Pianist B. studiert zwischen 1899 und 1903 in Budapest Klavier und Komposition, bevor er seine erste ausgedehnte Konzertreise antritt, die ihn durch viele Städte Europas und Amerikas führt. In den folgenden Jahren wirkt er zunächst als Professor für Klavier an der Musikhochschule Budapest. 1904 widmet sich B. ersten Kompositionen. Ab 1940 lebt B. in Amerika. Finanzielle Not, die er durch Konzerte und wissenschaftliche Tätigkeit zu minimieren sucht, begleitet ihn bis ans Ende seiner Tage. Schließlich stirbt er 1945 in New York

Musikalisch orientiert sich B. stark an Brahms, obgleich er sich auch von R. Strauss, Wagner, Liszt und Debussy inspirieren lässt. Besonders wichtig scheint für ihn jedoch die Behandlung volksmusikalischer Elemente zu sein: So schreibt er Begleitungen zu volksmusikalischen Melodien oder fügt jene Melodien in seine eigenen Kompositionen ein.

Sein Schaffen umfasst die Gattungen Orchestermusik, Bühnenwerke, Konzerte, Klaviermusik, Kammermusik und Chormusik.

   
 

Neoklassizismus 
 

Als Reaktion auf Spätromantik, Im- und Expressionismus ist der N. zu verstehen, der in den 1920er Jahren in Erscheinung tritt. Ganz bewusst finden hier Rückgriffe auf das 18. Jahrhundert statt, die sich durch die Wiederaufnahme alter Spielweisen und Gattungen (insbesondere der frühen Klassik) ausdrücken. Hierzu gehören etwa Suite, Concerto, Sinfonia und Sonate; Normen bezüglich der Besetzung und des metaphysischen Gehalts werden jedoch nicht berücksichtigt.

 In diesem Zusammenhang seien „Les Six“ aus Frankreich genannt (Honegger, Milhaud, Poulenc, Auric, Tailleferre und Durey), die sich dieser Bewegung anschließen.

In Russland treten diesbezüglich insbesondere zwei Komponisten in Erscheinung:

 

Sergej Prokofjew (1891-1953)

Geboren im Gebiet Donezk (Russland), studiert P. zunächst Komposition und Klavier bei Rimsky-Korsakow und Ljadow. Vor allem in den USA und Paris weiß er durch viele Konzertreisen zu beeindrucken. Nach seiner Rückkehr gerät er immer häufiger in Auseinandersetzungen mit der Kulturpolitik, die seine Ideologie nicht teilt. 1953 stirbt P. in Moskau.

In seinen acht Opern, sieben Balletten, sieben Sinfonien, elf Instrumentalkonzerten und neun Klavierstücken widmet er sich mehr oder weniger deutlich neoklassizistischen Tendenzen, einer fortschrittlichen Harmonik, einer grotesk-scherzhaften und emotionalen Ausdrucksweise.

 

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)

Der in Leningrad geborene Komponist und Pianist gilt von klein an als hochbegabt. Zwischen 1919 und 1925 studiert er am Leningrader Konservatorium, wo er später auch lehrt. Gleiche Tätigkeit verrichtet er kurze Zeit später auch am Moskauer Konservatorium von 1943-48. 1975 stirbt Sch. in Moskau.

In zahlreichen Orchesterwerken, Konzerten, Kammer- und Klaviermusikstücken, Balletten, Opern und Oratorien offenbart S. nahezu alle kompositionstechnischen und ausdrucksmäßigen Möglichkeiten seiner Zeit.

  

Zu den wichtigsten deutschen Vertretern des Neoklassizismus gehören folgende Komponisten:

 

Paul Hindemith (1895-1963)

Der in Hanau geborene Komponist und Dirigent wird zunächst in Frankfurt Schüler von A. Mendelssohn, B. Sekles und A. Rebner. Er wird bald darauf Konzertmeister des Frankfurter Opernhauses und Kompositionslehrer an der Musikhochschule Berlin. Nach längeren Aufenthalten in der Schweiz und den USA lässt er sich 1953 in der Schweiz nieder. H. stirbt 1963 in Frankfurt/Main.

In seinen Opern (u.a. Mathis der Maler, 1934), Orchesterwerken, Kammer- und Klaviermusikstücken, Lieder, Chorwerke und Leherbüchern setzt sich H. für eine expressive Tonsprache und eine Abkehr von der Tonalität ein. Auch verbindet er alte Formen mit neuartigen Jazz-Spielweisen wie beispielsweise den Ragtime. Sowohl in seinen Kompositionen wie auch in seinen Interpretationen (insbesondere bezüglich Bruckner) strebt er nach transzendentalem Ausdruck der Musik

 

Kurt Weill (1900-50)

Die kompositorische Tätigkeit des Schülers von Humperndick und Busoni ist 1921 anzusetzen. Später schreibt er für das zeitkritische Musiktheater und entwickelt mit Brecht gemeinsam die Musik des epischen Theaters. 1933 sieht er sich zur Emigration in die USA gezwungen, wo er bald darauf  anfängt, für den Broadway zu schreiben. In New York stirbt Weill 1950.

In seinen zahlreichen Werken, deren berühmtestes sicherlich die Dreigroschenoper (1928) ist, glückt ihm eine einmalige Verschmelzung zwischen E- und U-Musik. Nicht selten wirkt seine Frau L. Lenya als Interpretin seiner Stücke.

 

Carl Orff (1895-1982)

Der in München geborene  Komponist  studiert zunächst 1913/14 an der Akademie der Tonkunst in München. Ab 1915 wirkt er für kurze Zeit als Kapellmeister in München, bevor er nach Darmstadt und Mannheim zieht. Zwischen 1950 und 1960 lehrt er als Professor für Komposition an der Musikhochschule München, ab 1961 leitet er das Orff-Institut in Salzburg. 1982 stirbt O. in München.

Beeinflusst von Debussy, Schönberg, Pfitzner und R. Strauss, strebt O. in seinen Kompositionen eine Einheit von Sprache, Musik und Bewegung an. Seine Musik ist stets von rhythmischen Elementen bestimmt, über denen zumeist einfachere musikalische Grundbausteine erklingen. 

 

In den USA treten unterdessen folgende Komponisten hervor, die ebenfalls unter die Rubrik Neoklassizismus einzuordnen sind:

George Gershwin (1898-1937)

Geboren im New Yorker Stadtteil Brooklyn, gelingen Gershwin zunächst kleine Erfolge im Rahmen von Unterhaltungsmusik (Songs, Schlager, Operetten etc.). Wirklichen Ruhm erringt G. erst mit dem „Klavierkonzert mit Jazzorchester“ Rhapsodie in blue (1924), bevor er mit dem Orchesterwerk An American in Paris (1928) und der Oper Porgy and Bess (1935) international bekannt wird. Gershwin stirbt bereits 1937 in Kalifornien.

Seine Musik lässt sich als „Sinfonischer Jazz“ bezeichnen, der sich in einer gekonnte Verquickung von europäischen Kunstmusiktraditionen und dem Jazz vollzieht.

Charles Ives (1874-1954)

Der in Danbury (USA) geborene Komponist zeichnet sich bereits in seinem Schaffen ab 1900 durch eine (vergleichsweise vorzeitige) Abkehr von der Tonalität aus. Er studiert von 1894-98 an der Yale Universität, während überdies sein Vater als Mentor gilt. Im folgenden betreibt Ives die Komposition nur als Nebenbeschäftigung, um sich hauptberuflich in der Versicherungsbranche zu behaupten. Er versteht es, in seinem überaus reichen Schaffen bis 1925 Militärmusik und auch Hymnen in seine Kompositionen einzubringen; beeinflusst ist auch er nicht zuletzt von den Transzendentalisten.

 

Edgar Varèse (1883-1965)

Der in Paris geborene Komponist studiert zunächst Mathematik und Naturwissenschaften in Paris, um 1904 ein Musikstudium bei u. a. Vincent d’Indy zu beginnen. 1907 zieht er nach Berlin, um 1915 schließlich nach New York zu gehen, wo er 1965 stirbt, nachdem er u.a. das New Symphonie Orchestra gegründet hat.

 Er setzt sich vor allem für den konsequenten Einzug von Geräuschen in die Musik ein; ebenso erstrebt er die Klangfarbenkomposition. Während V. zunächst versucht, seine Klangvorstellungen durch traditionelle Instrumente zu realisieren, zögert er später nicht, auch Sirenen oder elektronische Musik einfließen zu lassen, wie etwa in seinem Poème électronique (1957/58).

  Aaron Copland (1900-1990)

  In New York geboren, studiert C. zunächst dort und in Paris. Er gilt durch seine Lehrtätigkeit, Kompositionen und Schriften als große Inspirationsquelle im Hinblick auf moderne Musik in den USA. Seine Ballette (u.a. Billy the Kid, 1938) und auch Konzertmusik weisen deutliche Einflüsse des Jazz und Neoklassizismus auf. Copland stirbt schließlich 1990 in New York.

 

 

Eine große Trennung ist nach einem kriegsbedingten „Stillstand“ in den 30er und 40er Jahren um 1950 zu ziehen; hier treten insbesondere neben Pop- und Rockmusik, die hier keine Erwähnung finden werden, auch serielle beziehungsweise elektronische Musikrichtungen international in Erscheinung.

Im folgenden soll die bedeutendsten Charakteristika und Komponisten der Musique concrète,  des „Zufalls“ unter besonderer Berücksichtigung John Cages, der Seriellen Musik, der Elektronischen Musik und der Minimal Music kurz aufgezeigt werden. 

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