Hier mein Vorschlag für das Wort des Jahres: “Bratwurstjournalismus”. Die geniale Wortschöpfung stammt von News-Blogger Hardy Prothmann, der diesen Begriff zur Umschreibung des lokaljournalistischen Standardjargons erfand und ausgerechnet auf einer Veranstaltung des DJV in die Öffentlichkeit entließ.
Wie lieben sie alle, Phrasen wie “für das Leibliche Wohl war gesorgt”, oder “der Wettergott war gnädig”. Darauf wollen wir uns doch erstmal einen “kühlen Gerstensaft schmecken lassen”!
Wie aber steht es um den Bratwurstjournalismus im Kulturbereich? Konzertkritiken bieten hier eine wahre Fundgrube. Da wimmelt es von “Tastenlöwen” und “Pultstars”, denen das Orchester “mit glühender entschlossenheit folgt”. Ein “Dirigat” kann “beseelt” oder “analytisch” daherkommen, und nimmt es ein “Maestro” mit letzterem zu genau, dann “führt er das Seziermesser im Gewande”. Spätestens, wenn die “neugierige Trockenheit” einer Interpretation beschworen wird, ahnt der Leser, dass sich über Bratwürste einfacher schreiben lässt, als über Musik.
Ich freue mich über weitere Bratwurst-Phrasen – vielleicht wird mal ein kleines Lexikon draus…


