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Staatsoper.TV – Oper für alle!

10. Dezember 2012 von Hagen Kohn · Keine Kommentare · Kultur im Netz

Es ist nicht zu übersehen – im Livestream liegt die Zukunft der traditionellen Kultureinrichtungen. Die Berliner Philharmoniker haben sich mit ihrer Digital Concert Hall als erste eine weltweite Online-Fangemeinde aufgebaut, Übertragungen von Opern- oder Ballettabenden in Kinos gibt es in nahezu jeder Stadt, seit dieser Spielzeit streamt auch die Bayerische Staatsoper auf High-End-Niveau ins Netz und bietet bis Juli 2013 sieben Klassiker. Dass dieses Angebot kostenlos angeboten werden kann, ist eine kleine Sensation.

Anlässlich der bevorstehenden Nussknacker-Übertragung am 13. Dezember sprach ich mit Johannes Lachermeier, zuständig für die Onlinekommunikation der Staatsoper: 

Die Berliner Philharmoniker sind sehr erfolgreich mit der kostenpflichtigen “Digital Concert Hall”. Was hat euch motiviert, eure ebenso hochwertigen Live-Streams kostenfrei anzubieten?

Der Wunsch unseres Staatsintendanten Nikolaus Bachler war es von Anfang an, das Angebot kostenlos zu halten. Ein Abonnementsystem, wie es die Berliner Philharmoniker anbieten, lockt zwar die Fans an, wer jedoch „nur mal reinklicken“ möchte, kommt zu kurz. STAATSOPER.TV ist an als niederschwelliges Angebot gedacht, sowohl für Interessierte, die gerne zu uns ins Haus kämen, aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht können, als auch für Einsteiger. Und vor allem ist es eine wunderbare Möglichkeit, Opernfans auf der ganzen Welt zu erreichen.

Wie wird das Angebot angenommen? Wo siehst du weiteres Potential?

Uneingeschränkt positiv. Wir haben pro Stream zwischen 40.000 und 460.000 Klicks, je nachdem, welches Stück übertragen wird. Insofern sind wir mit der momentanen Situation sehr glücklich – auch weil wir STAATSOPER.TV dank unseres Sponsors The Linde Group für vier Spielzeiten sichern konnten. Aber natürlich freuen wir uns über noch mehr Zuschauer, gerade im internationalen Kontext. Daran arbeiten wir.

Wie macht ihr das Angebot bekannt? Welche Rolle spielen dabei eure Social-Media-Kanäle?

Wir kommunizieren einerseits über die „klassischen“ Wege, wie Pressemitteilungen oder Newsletter. Selbstverständlich freuen wir uns auch über Berichterstattung in den Tageszeitungen. Aber logisch: Am Ende ist das Internet das Medium, über das man in allererster Linie kommuniziert. Die sozialen Netzwerke sind hier eine zentrale Basis der Kommunikation – am deutlichsten wird das während der Streams, wenn auf Facebook und Twitter das Gesehene live kommentiert wird. Ohne Social Media geht hier nichts mehr, auch im Vorfeld.

Ihr habt mit der Linde-Group einen potenten Sponsor, ohne den das Projekt sicher nicht realisierbar wäre. Welche Möglichkeiten haben kleine und mittlere Theater, die neuen Potentiale des Internet für sich zu nutzen?

Live-Streams sind ja nun nicht der allein seligmachende Königsweg. So erfolgreich STAATSOPER.TV für uns läuft und so sehr es die Zuschauer lieben – es gibt Tausende andere Formate, mit denen man das Internet kreativ nutzen kann. Und da braucht es auch nicht zwingend große finanzielle Mittel. Ich denke, jedes Haus muss selbst für sich und sein spezifisches Publikum sehen, wie es das Netz und seine unendlichen Möglichkeiten nutzen kann. Im Idealfall ist es dann wie das Theater selbst – immer wieder neu, anders und vor allem authentisch.

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