VioWorld Blog

Beiträge zu Kultur, Jobs und Web 2.0

VioWorld Blog header image 2

KultUp – Backstage beim hr-Sinfonieorchester

12. September 2012 von Hagen Kohn · 2 Kommentare · Kultur im Netz

Seit einiger Zeit erfreuen sich sogenannte Tweetups auch im Kulturbereich wachsender Beliebtheit. Das Prinzip ist einfach: Kulturinteressierte treffen sich beispielsweise in einem Museum und twittern unter einem zuvor festgelegten #Hashtag ihre Eindrücke in Form von Kommentaren und Fotos.

Auch die Frankfurter Initiative KultUp hat schon mehrere Zusammenkünfte dieser Art organisiert, neu ist jetzt die Kooperation mit einem Sinfonieorchester. Wir haben hierzu die web-begeisterte Musikerin Heike Matthiesen (@Gitarra) befragt:

Du bist eine der aktivsten klassischen Musikerinnen auf Twitter. Was
hältst du von TweetUps?

Ich bin sehr neugierig, ob und wie sich Tweetups mit Musik verbinden
lassen. Musik ist ja als zeitgebundene Kunst viel mehr auf eine
konstante Aufmerksamkeit des Zuhörers angewiesen- oder auch nur dann
wirklich gut, wenn sie zu dieser verführt und sie erhält
(kein Musiker möchte Publikum, daß nur nur auf Display starrt..). Bei
Exponaten kann man ja seine “Zeiteinheiten” selber einteilen und so
bewußt von Schauen zu Reflektieren und dann zum Twittern wechseln.

Ich sehe die Chance also eher im “Backstage-Bereich”, Proben, Kurse,
Sichtbarmachen der Vorgänge einer Konzertvorbereitung auch im
administrativen Bereich wie z.B in Orchesterbüros oder in Agenturen,
also auch gerade nicht nur von Künstlerseite, sondern auch der vielen
anderen, die zu einem Konzertabend beitragen.

Hier wären so einzigartige Einblicke möglich.. z.B ja auch vorm Konzert
oder in Pausen!
Ich habe selber für mich auch schon überlegt, wie man Tweetups direkt in
Konzerte einbauen kann, bin da noch geistig am Spielen, wäre aber für
Experimente offen!

Aus Museen werden in der Regel Bilder der Exponate getwittert. Was
twittert man aus einer Orchesterprobe?

Die Frage ist, ob ich dann als Musiker oder als Zuschauer twittere.
die Sichtweise wäre dann wohl ziemlich verschieden!
Als Musiker könnte man die Strukturierung der Probenarbeit
wiederspiegeln, ich würde aber als kollegiale Musikerin nie die Leistung
auch nur irgendwie werten.

Als Zuschauer würde ich freier einfach beobachten, das Arbeitsklima ist
ja je nach Dirigent grundverschieden, auch wieviel verbale
Kommunikation stattfindet. Ich freue mich jedenfalls darauf, so nicht
als Mitmusikerin, sondern als zuguckende neugierige Musikerin
auszuprobieren, welche Blickwinkel und Ebenen da möglich sind!
Und Photos oder vielleicht sogar kurze Videos lassen sich ja auch
machen..

Andere Twitterati vor Ort zu treffen, macht mit Sicherheit Spaß.
Welchen Mehrwert bietet es jedoch, das TweetUp vom Schreibtisch aus zu
verfolgen?

Als Musikfan Einblicke, als Nochnichtganzsosehrfan geweckte Neugierde
- und Musiker den Kollegen mal direkt über die Schulter schauen!
Ich finde es gut, daß Tweetups immer zeitlich begrenzt sind, so kann ich
dann zuhause einplanen, daß in einem bestimmten Zeitrahmen viele,viele
Tweets kommen – und mich mit einem Kaffee an den Rechner setzen und für
die gute Stunde direkt nur den Hashtag mitlesen.
Und ich bin sehr neugierig darauf, wer von den Musikern dann eventuell
sogar antwortet, Smartphones lassen sich ja sehr unauffällig auf Pulten
parken…

Tags: ···

2 Kommentare bis jetzt↓

  • Ulrike Schmid

    Danke Hagen, dass du auf unseren Tweetup hinweist.

    Heike, du sprichst mir aus der Seele.

    Mit den KultUps geht es uns genau darum: um den Backstage-Bereich und um transparenter zu machen, welche “Vorarbeiten” nötig sind, ehe das Orchester sich dem Publiukum präsentiert. Deshalb haben wir ja auch eine Probe beim hr-Sinfonieorchester gewählt und kein “normales Konzert”.

    Uns geht es darum, dass die Vor-Ort-Twitterer mitbekommen, welche Interaktionen zwischen den Musikern, aber auch zwischen Musikern und Dirigenten ablaufen und dadurch möglicherweise ein anderes (besseres) Verständnis für klassische Musik. Wir werden am Sonntag ja das Privileg haben, hinter den Musikern zu sitzen. Insofern ist das dann eine ungewohnte Perspektive für das Publikum. Ich denke, da lässt sich einiges beobachten und auch twittern.

  • KultUp (5) beim hr-Sinfonieorchester – „Experiment mit frappierendem Charme“ « KultUp

    [...] in anderen Blogs, etwa bei Vioworld, Interview mit @gitarra zu @kultup auf [...]

Hinterlass einen Kommentar

Name

email

Homepage