Im Mai trafen wir Katharina Wagner anlässlich ihrer für 2012 geplanten Ring-Produktion am Teatro Colón in Buenos Aires. Das Besondere an diesem Projekt ist die stark gekürzte Version des Musikproduzenten und Arrangeurs Cord Garben, die beispielsweise das “Rheingold” auf überschaubare 71 Minuten komprimiert. Sakrileg oder Chance für eine neue Wagner-Rezeption? Fragen wir mal den Urheber:
- Herr Garben, Sie haben Wagners “Ring des Nibelungen” radikal gekürzt. Haben Sie keine Angst vor den Puristen?
Wenn ich Angst hätte, gäbe es das Unternehmen nicht. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass die “Puristen” von der Sache mehr verstehen als
ich, bin ich ganz entspannt.
- Bearbeitungen von Wagners Mammut-Werk gibt es viele. Was wollen Sie mit Ihrer Fassung erreichen?
Es gibt m. E. keine seriösen Bearbeitungen. Hier mal ein Überblick in drei Stunden, dort nur Orchestereinlagen (Maazel),
Kinder und Jugendfassungen, Kammerbesetzungen u.a.m.
Ich habe rausgenommen:
- Wiederholungen von Strophen
- zig Seiten, wo die Walküren oder Rheintöchter immer wieder dasselbe singen. Diese Längen passen nicht zu einer gekürzten Fassung.
- Lange philosophische Gedankengänge, die nichts mit der Handlung zu tun haben (Nornen, Erda). Grundsätzlich alle Rückblicke, in denen Inhalte der vorausgegangenen Oper wieder aufgefrischt werden oder Sippenstreitigkeiten aus der Vorgeschichte. Ich wollte eine spannende, durchgehende Handlung die überschaubar und verstehbar ist und deren musikalische Substanz von Menschen, die das Ganze zum ersten Mal hören, erfasst werden kann.
- Sind Wagners Opern in ihrer ursprünglichen Form heute noch vermittelbar, sprich rezipierbar?
Ja, natürlich. In den Bereichen der Opern-”Industrie” auf jeden Fall. Der Hörer sucht sich ohnehin unbewusst aus, was er mag und hangelt sich von
einem musikalischen Höhepunkt zum nächsten. Da steigt er auch schon mal für ein paar Minuten aus. Das gilt auch für einen Don Carlos von viereinhalb Stunden.
Wenn aber etwa der gekürzte “Ring” einmal da ist, so ist es durchaus möglich, das die Leute sich sagen: in 6-7 Stunden erlebe ich alles Wichtige und Großartige dieser Opern an einem oder zwei Abenden. Da muss ich doch nicht an vierAbenden in die Oper gehen, viel Geld bezahlen, und jeweils 4-5 Stunden (darunter ein dramaturgisch mißglückter viel zu langer Siegfried) absitzen.
Wir werden sehen was passiert, wenn der neue Ring einmal da ist.

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