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“Wir wollen jetzt auch bloggen…” (NPO-Blogparade)

29. September 2010 von Johannes Baumann · 2 Kommentare · Kultur im Netz

“Social Media – wie überzeuge ich meinen Chef?” – so der Titel der von Christian Henner-Fehr ausgerufenen Blogparade. Leicht modifiziert könnte die Frage auch lauten “Wie mache ich meinem Chef klar, welche Voraussetzungen eine erfolgreiche Social Media Nutzung erfordert?”

Who's The Dick Writing Comments On My Blog

Relativ einfach hatte es Doro Martin (Verlagsstarter-Blog), das VioWorld-Team zu überzeugen, da wir seinerzeit ohnehin nach einer Möglicheit suchten, unserem Kulturportal eine redaktionelle Ebene zu erschließen. Außerdem ist die Firma klein, die Hierarchien dem entsprechend flach.

Anders sieht es hingegen bei staatlichen Kultureinrichtungen aus. Leider höre und sehe ich immer wieder, wie sich engagierte Mitarbeiter – auch auf explizit als Social-Media-Job ausgeschriebenen Stellen – die Zähne an unflexiblen und hierarchischen Strukturen ausbeißen. Ebenso wie ich als Pressereferent an der Oper Halle jeden Aushang dem Intendanten vorlegen musste, finden sich heute Mitarbeiter in der absurden Situation wieder, dass jeder Blogpost, sogar jeder Tweet “genehmigt” werden muss. Wer sich die Web-Aktivitäten einer bestimmten Institution anschaut, erkennt schnell, welche Unternehmenskultur sich dahinter verbirgt.

Worauf also muss ein Bewerber/ ein Mitarbeiter pochen, um erfolgreich für ein Web 2.0-kompatibles Arbeitsumfeld zu werben?

1. Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!
Gemeinsam Strategien entwickeln, Guidelines definieren, aber dann machen lassen! Wem beim bloggen ständig der Vorgesetzte über die Schulter schaut, der wird schnell die Lust verlieren, ebenso wie seine Leser, Follower, Friends, etc…

2. Inhalte, Inhalte, Inhalte
Ein bisschen Twittern und Facebooken kann jeder, die Königsdisziplin des Web 2.0 ist und bleibt aber der Blog. Und niemand ist so sehr fürs Bloggen prädestiniert wie eine Kultureinrichtung. Automatisch wird hier am laufenden Band hochwertiger Content produziert, in Form von Konzerten, Aufführungen und Ausstellungen, nun muss man diesem nur noch den Weg ins Netz ebnen.

3. Ohne Vernetzung geht gar nichts
Das fängt an mit der Einbindung der Social Media Präsenzen auf der eigenen Homepage. Selbst die Verlinkung des eigenen Blog ist für viele leider keine Selbstverständlichkeit. Dann geht die Arbeit aber erst richtig los: Vernetzung mit themenverwandten Blogs, kommentieren in anderen Blogs, Re-Tweets, Social Bookmarking (z.B. Mr. Wong) – und vor allem: lesen, was andere so schreiben und posten!

4. Social Media ist kein Marketing-Instrument
… und eignet sich keinesfalls zur kurzfristigen Steigerung der Kartenverkäufe. Wird der verantwortliche Mitarbetier nur daran gemessen, hat er von vorne herein verloren. Worum es geht ist, die Bedürfnisse des eigenen Publikums besser kennenzulernen und sich danach auszurichten. Erst im zweiten Schritt sind evtl. Umsatzsteigerungen zu erwarten.

5. Social Media braucht Zeit
Damit wären wir beim heikelsten Thema angelangt. Man braucht nicht nur einen langen Atem und das notwendige Vertrauen in seine Mitarbeiter, man muss auch die entsprechenden Ressourcen bereitstellen. Ein Pressesprecher, der kurz vor Feierabend noch schnell was bloggt oder twittert, kämpft auf verlorenem Posten. Für neue Stellen fehlt in der Regel das Geld, also was tun?
Umschichten! Ich weiß, das klingt für manche bitter, aber wieviel Geld fließt in teure Marketingkampagnen, die eher interne Eitelkeiten befriedigen (“ich will auch aufs Plakat!), als die Bedürfnisse des Publikums? Oder anders gefragt: was ist wichtiger, ein dickes Programmheft in Hochglanz, oder eine starke Web-Community? Aber manche wollen eben noch warten, wie sich das mit diesem Internet so entwickelt…

P.S. Es gibt natürlich auch positive Beispiele, über die wir an anderer Stelle berichten.

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