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Geschäftsmodelle im Web 2.0: Neue Formen der Finanzierung und des Vertriebs von Musik

15. April 2010 von Johannes Baumann · 9 Kommentare · Education

Eine schöne Idee: Die Initiatoren der stARTconference rufen im Vorfeld der diesjährigen “stART.10″ zu einer Blogparade auf, deren Beiträge in einer Sonderausgabe des KM-Magazin sowie als eBook publiziert werden sollen. Als Medienpartner der Konferenz möchten wir uns gerne mit einem Beitrag beteiligen und versuchen, die Situation (junger) Musiker näher zu beleuchten. Ein Thema übrigens, das mich nicht nur als Mitarbeiter eines Musikerportals, sondern auch als Bandmusiker interessiert.

Wie finanzieren sich Musiker im Web?

Wie finanzieren sich Musiker im Web?

In den vergangenen Monaten haben wir in der Kategorie Net Powered Artists immer wieder Beispiele für Geschäftsmodelle aus dem Musikbereich gezeigt. Oder besser gesagt Versuchen, ein Geschäftsmodell zu entwickeln.

Riskieren wir mal einen aktuellen Blick:

Crowdfunding

  • Die jüngste Geschichte des Portals Sellaband zeigt, dass Crowdfunding-Modelle trotz großer Beliebtheit einen schweren Stand haben. Von einem deutschen Investor knapp vor der Insolvenz gerettet, ist die Zukunft der internationalen Band-Börse erstmal gesichert, ob es sich hierbei um ein praktikables Modell für die breite Masse handelt, bleibt abzuwarten.
    Von 3600 registrierten Künstlern haben es gerade einmal 34 geschafft, mithilfe ihrer “Believer” (sprich Kleininvestoren) ein Album zu finanzieren. Das investierte Gesamtvolumen von 3 Millionen Dollar legt einen großen Streuverlust nahe: Jeder erhält ein bisschen, aber ausfinanziert – sprich – realisiert werden können die wenigsten Projekte. Eine der prominentesten Bands auf dieser Plattform, Public Enemy, ist so ehrlich und benennt ihre enttäuschten Erwartungen folgendermaßen: “We have learned that the fan funding model is still not fully developed and, as a result, a $250,000 fund raising effort, while possible, will take too long to accomplish.”
  • Ein weiteres Projekt, das letztes Jahr häufig erwähnt wurde, ist der Hector Fund, dem u.a. die Folksängerin Linda Thompson angehört. Anders als bei Sellaband steht hier das Freemium-Modell im Vordergrund. Der Hector Fund bringt in den USA Musiker wie Linda Thompson mit spendenwilligen Musikliebhabern zusammen, die aus einer Palette an verschiedenen Fördermöglichkeiten wählen können, um z.B. die Produktion eines Albums zu finanzieren. Das beginnt bei $10 für den einfachen Download (des noch zu produzierenden Albums) und reicht bis $50.000 für ein ganzes Paket an VIP-Angeboten inklusive eines persönlichen Songs der Künstlerin an den Spender. Leider gibt es seit meinem letzten Besuch im vergangenen Jahr nicht viel Neues auf der Seite zu sehen, was vermuten lässt, dass das Modell hier nicht greift.

Meine Theorie: “Freemium” ist was für Künstler, die sich auf konventionellem Wege (siehe Radiohead) oder Crowdfunding (siehe Hind) eine Namen gemacht haben. Da muss man aber erstmal hinkommen. Hierzu ein paar Gedanken von Gerd Leonhard, Musiker und MediaFuturist:

Das für mich erfolgversprechendste Modell bietet der noch im Aufbau befindliche Dienst Flattr, der es auf unkomplizierte Weise ermöglichen soll, Mikrospenden an seine Lieblingskünstler, -Autoren, etc. zu verteilen.

Vertrieb

  • Während die Frage nach der Finanzierung von Kultur im Internet noch längst nicht beantwortet ist, gibt es in Hinblick auf den Vertrieb schon einige praktikable Ansätze. So kann beispielsweise eine Band ihre Songs gegen eine einmalige Gebühr über die Plattform TuneCore bei allen einschlägigen Online-Musicstores platzieren und 100% der Royalties einfahren. In Kombination mit einem entsprechenden Engagement im Social Media Bereich kann dies durchaus ein effizientes Geschäftsmodell für Musiker sein.
  • Am einfachsten haben es mit der Online-Vermarktung die subventionierten Kulturbetriebe. Schließlich produzieren diese am laufenden Band hochwertige Inhalte in Form von Konzerten, Opern- und Theateraufführungen und müssen diesem “Content” lediglich den Weg ins Netz ebnen. Während der Versuch der Bayreuther Festspiele, das Live-Streaming einer kompletten Wagner Oper für €50 zu verkaufen auf wenig Gegenliebe stieß, sind die Berliner Philharmoniker mit ihrer Digital Concert Hall und dem gestaffelten Preissystem weitaus erfolgreicher. Hinter vorgehaltener Hand hört man allerdings, dass ein solches Projekt ohne das Engagement des Sponsors Deutsche Bank nicht realisierbar wäre. Was also tun, wenn kein Großsponsor in Sicht ist? Social Media Kanäle nutzen und die notwendige Arbeitskraft bereit stellen (das muss nicht ungeheuer viel kosten, selbst bei fairer Entlohnung einer Honorarkraft)! Ein eigenständiges Geschäftsmodell ist dies zwar nicht, aber eine Ergänzung zu einem althergebrachten bestehenden allemal.

Zum Schluss sei noch der Post-Punk-Bassist und Blogger Dave Allen zitiert, der die Problematik folgendermaßen auf den Punkt bringt: “Dear Musicians – please be brilliant or get out of the way”.

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