Hier mein Vorschlag für das Wort des Jahres: “Bratwurstjournalismus”. Die geniale Wortschöpfung stammt von News-Blogger Hardy Prothmann, der diesen Begriff zur Umschreibung des lokaljournalistischen Standardjargons erfand und ausgerechnet auf einer Veranstaltung des DJV in die Öffentlichkeit entließ.
Wie lieben sie alle, Phrasen wie “für das Leibliche Wohl war gesorgt”, oder “der Wettergott war gnädig”. Darauf wollen wir uns doch erstmal einen “kühlen Gerstensaft schmecken lassen”!
Wie aber steht es um den Bratwurstjournalismus im Kulturbereich? Konzertkritiken bieten hier eine wahre Fundgrube. Da wimmelt es von “Tastenlöwen” und “Pultstars”, denen das Orchester “mit glühender entschlossenheit folgt”. Ein “Dirigat” kann “beseelt” oder “analytisch” daherkommen, und nimmt es ein “Maestro” mit letzterem zu genau, dann “führt er das Seziermesser im Gewande”. Spätestens, wenn die “neugierige Trockenheit” einer Interpretation beschworen wird, ahnt der Leser, dass sich über Bratwürste einfacher schreiben lässt, als über Musik.
Ich freue mich über weitere Bratwurst-Phrasen – vielleicht wird mal ein kleines Lexikon draus…

Herrlich, dass mal jemand diese schönen Kulturkritiken aufgreift. Ich spendiere “Töne, die von den Saiten perlen”, besonders bei Harfen. “Sie sang ihren Schubert aus voller Brust”, “während der Dirigent mit aller gebotenen Grandezza in die Pausen stach.”
Ich könnte jetzt so weitermachen, neben mir liegt ein Pressespiegel eines Musikfestivals mit herrlichen Blüten aus der Provinzialpresse.
Sehr schön, “nach Pausen stechen” kannte ich noch nicht!
Wirklich echten Brawurstjournalismus findet man bei uns. Wir sind gerne Brawurstjournalisten. Haben uns aber auf Fußball spezialisiert.
Mit wurstigen Grüßen aus Hamburg
fussballwurst.de – Verein zur Steigerung der Bratwurstkultur auf dem Fußballplatz
Ach, wunderbar… Da fällt mir der “messerscharfe Bläsersatz” ein. Ganz vorne mit dabei bei Plattenkritiken: “Einige Höhen – aber leider genauso viele Tiefen” und “lassen sich nicht eine Schublade stecken”.
Aus meiner Zeit als Lokaljournalistin habe ich noch die Warnung meines fantastischen Redakteurs im Ohr: “Wer schreibt: >>Erstrahlt im neuen Glanze…<< der zahlt einen Kasten Bier für die Redaktion!!!" Das war ein absolutes No-Go.
Und aus den Kommentaren unseres Kantors zu den diversen Konzertkritiken weiß ich, dass ein Alt, der im Konzert mit "metallisch dunkler" Stimme singt einfach nur wesentlich zu tief gesungen hat.
Vielleicht könnte man ja auch einmal bei Bratwurst TV GmbH einen Beitrag dazu drehen und in der Bratwurst-Lounge Interviews !
Super Idee!