Wie bereits angekündigt, soll das Thema “Net Powered Artists” in diesem Blog auch weiterhin eine Rolle spielen. Zum Auftakt der letzten Blogparade stellten wir die Sängerin Linda Thompson vor, die ihre aktuelle CD mit verschiedenen preislich gestaffelten Angeboten bewirbt. Das beginnt bei $10 für den einfachen Download und reicht bis $50.000 für ein ganzes Paket an VIP-Angeboten inklusive eines persönlichen Songs der Künstlerin an den Fan.
Einen Schritt weiter geht jetzt der kanadische Science-Fiction-Autor und BoingBoing-Blogger Cory Doctorow, der sein neues Buch “With a little Help” komplett kostenlos zum Download anbietet, flankiert von zahlreichen Premium-Angeboten.
Auch hier wieder die Idee eines maßgeschneiderten Werkes für den Fan – in diesem Fall eine Kurzgeschichte für $10.000, die in der nächsten Auflage des Buches erscheint.
Besonders schön finde ich die Idee, eine von Kunstbuchbindern gestaltete bibliophile Ausgaben anzubieten.
Ach ja, natürlich soll das Buch auch als ganz normales Paperback in die Läden. Ausführliche Informationen gibt es -> hier.
Aus meiner Sicht zeichnen sich zwei Dinge deutlich ab:
1. Inhalte kostenlos anzubieten ist nicht per se geschäftsschädigend, ganz im Gegenteil. Biete deinen Fans ein kostenloses Produkt und verdiene dein Geld mit Premiumangeboten! Media Futurist Gerd Leonard nennt diese Kombination “Freemium“.
2. Erfolgreich sind mit diesem Modell vor allem Künstler, die sich mithilfe herkömmlicher Strukturen (Verlage, Plattenlabels, etc.) bereits eine Fangemeinde aufbauen konnten. Wer jetzt bei null startet, hat erstmal eine lange Durststrecke vor sich und braucht einen langen Atem. Wer diesen hat und auf allen Social Media Kanälen aktiv ist, kann durchaus Erfolg haben – vorausgesetzt, sein Produkt ist interessant genug. Doctorow hat das bereits mit mehreren erfolgreichen Büchern bewiesen.
Mein Fazit:
Auch in Zeiten des Web 2.0 gilt, dass Kunst von “Können” abgeleitet ist. Dass diese zwar schön ist, aber viel Arbeit macht, wusste schon Karl Valentin.

Ich sehe das Problem, dass viele Künstler im Hintergrund agieren und dabei Top-Leistungen bringen. Aber halt unerkannt. Studiomusiker sind so ein Fall. Was soll der an wen kostenlos abgeben, um dann welche Premiumangebote zu entwickeln?
Ich denke auch, dass das Fremiummodell sich mehr und mehr durchsetzen wird. Aber es ist nur ein Modell. Für eine Vielzahl von Künstlern wird es nichts taugen.
Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen: Viele Künstler, wie Studiomusiker oder Jazz-”Mucker” brauchen gar keine Online-Marketingmodelle. Da funktionieren andere Mechanismen wie Mundpropaganda, Empfehlung, etc. All das verliert ja durch das Internet nicht plötzlich an Bedeutung. Als Präsentationsplattform ist das Web (vor allem Web 2.0) aber unschlagbar, in der Hinsicht profitieren auch die oben genannten Musiker.
Im Freemium-Modell sehe ich lediglich eine Alternative zur Vermarktung durch einen Verlag oder ein Plattenlabel. Und wie gesagt, erstmal muss man sich eine Online-Reputation aufbauen – das kann dauern. Wie verdient man in der Zwischenzeit sein Geld? Diese Frage wird meistens ausgeklammert.
Das sehe ich genauso. Zwar funktioniert dort das Web 2.0 auch, aber halt anders. Interessanterweise betrachtet es der Kunst- und Kulturbereich immer als einen B2C-Kanal.
Aber was spricht dagegen, dass man es auch für den B2B-Bereich verwendet? Interessantes Thema: Einsatzmöglichkeiten des Web 2.0 für B2B-Beziehungen von Kulturbetrieben.