Am 4. Oktober geht mit einem hochkarätigen Abschlusskonzert das diesjährige Cello Festival der Kronberg Academy zu Ende. Wir sprachen mit Michael M. Kasper vom Ensemble Modern, der u.a. als Solist in Steve Reichs “Cello Counterpoint” auftreten wird.
Lieber Herr Kasper, Ihrer Biografie kann man entnehmen, dass Sie Mitglied bei den Kickers Offenbach sind. Spielen Sie auch aktiv Fußball? Kann man sich das als Profimusiker überhaupt leisten?
Ich habe bis zu meinem Studium Fußball und Handball gespielt, nolens volens dies dann sein gelassen; heute wird geschwommen, Tango getanzt und Kanu gefahren, soweit es die Zeit zuläßt. Ich nenne allerdings ein TippKick Spiel in den Farben der Kickers mein eigen und Niederlagen gegen die Frankfurter Eintracht gehen mir für eine gewisse Zeit nahe.
Welchen Stellenwert hat für Sie die Kronberg Academie in der deutschen Musiklandschaft?
Hier versammeln sich die Gralshüter des wahren, schönen und guten Cellospieles. Und das ist auch gut so. Eine kluge Idee war es, Ensemble Modern dort auftreten zu lassen, um mit Hindemith, Ligeti und Reich, einige Klassiker, mit Reijsegger einen sogenannten Grenzgänger der “Moderne” zu Wort kommen zulassen. Und eine ganz hervorragende Idee wäre es, Ensemble Modern direkt auf die Teilnehmer der Akademie los zu lassen, vielleicht erwärmt sich der ein oder andere doch noch für Michael Gordon “Industry”, Ferneyhough “Time and motion study II”, Helmut Lachenmann “Pression”, Robin Hoffmann “Schleifers Methoden” (wie, kennt das niemand?).
Von 1988 bis 2001 waren Sie Dozent an der Musikhochschule Aachen. Worauf legen Sie besonderen Wert bei der Musikvermittlung?
Egal ob Klassik oder Moderne, der selbstständige Musiker steht im Mittelpunkt meines Interesses. Voraussetzung dafür: Wissen um die Zeit- und Musikgeschichte, profunde Technik, ein klarer Geist, offene Ohren und die Bereitschaft zum ästhetischen Diskurs.
Beim Abschlusskonzert am 4. Oktober spielen Sie als Solist in Steve Reichs “Cello Counterpoint” für Cello-Oktett. Weiterhin stehen Komponisten wie Penderecki und Demenga auf dem Programm. Wie macht man jungen Musikern die sogenannte “Neue Musik” schmackhaft? Trifft dieser Begriff überhaupt noch zu?
Die “sogenannte Neue Musik” ist vielfältig; Webern, Hindemith, Henze, Lachenmann, Cage, Pärt müssen in diese Begriffsdose hinein gepreßt werden.
Ein altes Werk des jungen Penderecki erscheint dazu moderner als ein spätes Werk des älteren. Ist ein tonaler Pärt, ein Kantscheli, neuer oder älter oder jünger oder moderner als ein Schostakowitsch (wieso taucht dieser Name hier auf?)? Ist Hindemith wirklich out? Ist Crossover wirklich noch modern?
Oder eher ein 40 Jahre altes Werk von Helmut Lachenmann. So unterschiedlich wie die jungen Musiker sind, so unterschiedlich können deren eventuelle Wege zur “Neuen” oder “gegenwärtigen” Musik sein. Da gibt es kein “Rattenfängerrezept”. Aber apropos Rezept: der Apettit kommt mit dem Essen.
Die Kronberg Academy betreibt übrigens auch ein Blog und ist unter @KronbergAcademy bei Twitter aktiv. Hier findet morgen (2. Okt.) wieder ein KAtalk statt, diesmal mit dem Cellisten und Komponisten Ernst Reijseger.

Kronberg 2.0» Blogarchiv » Gralshüter des wahren, schönen und guten Cellospieles // 01.10.2009 um %H:%M Uhr
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