VioWorld Blog

Beiträge zu Kultur, Jobs und Web 2.0

VioWorld Blog header image 2

Web 2.0 kritisch

07. September 2009 von Hagen Kohn · 6 Kommentare · Kultur im Netz

Über das Kulturmanagement Blog von Christian Henner-Fehr bin ich auf einen interessanten Post gestoßen: “Social Media´s Top 10 Dirty Little Secrets”, veröffentlicht von David Armano. Als Web 2.0-Neueinsteiger möchte ich dies zum Anlass nehmen, meine Blog- und Twitter-Erfahrungen der letzten Monate kritisch zu hinterfragen. Was ist also dran an den “Dirty Little Secrets”?

Social Media als Marketinginstrument

Nichts spricht dagegen, Social Media zu Marketingzwecken zu benutzen, solange man diese nicht nach herkömmlicher Push-Manier bedient. Tweets und Blogposts nach dem Motto “VioWorld hat den besten Kulturstellenmarkt im Netz!” würden unsere Leser sicher bald langweilen. Wir versuchen vielmehr interessantes, hilfreiches – auch witziges – zum Thema Kultur und Jobsuche anzubieten und freuen uns, dadurch wichtiges Feedback (positiv wie negativ) zu bekommen, das wir vorher so nicht hatten. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist: Web2.0 ist keine Einbahnstraße!
Über die Bedeutung entsprechender Kompetenzen im Bewerberprofil hatten wir ja bereits geschrieben.

Blog vs. Twitter

Ich betrachte Blogs nicht wirklich als Social Media, sondern vielmehr als Möglichkeit, neben einer funktional ausgerichteten Website auch redaktionelle Inhalte anbieten zu können – eine kleine Onlinezeitung also. Art und Weise der Kommentare erinnern mich an klassische Diskussionsforen, die es ja schon lange vor Web2.0 gab.

Twitter hingegen steht wie kein anderer Web-Dienst für das “neue” Internet und vereint aus meiner Sicht alle positiven und negativen Aspekte dieser Kultur: Offene Kommunikation mit einer unbegrenzten Zahl an Leuten, schneller Informationsfluss, “Demokratisierung” des Web (siehe Iran-Wahlen), aber auch Beliebigkeit und Oberflächlichkeit. Ein gutes Beispiel hierfür sind die “Ego-Twitterer”, deren Following/Follower-Verhälltnis sich 150 zu 10.000 verhält – ein Dialog sieht anders aus. David Armano beschreibt das so: “Everyone hates internet celebrities, but secretly want to be one”.

Woher nehmen wir die Zeit?

Da der Tag nach wie vor 24 Stunden hat und Social Media in der Regel unsere herkömmlichen Aktivitäten nicht ersetzen, sondern nur ergänzen, bleibt uns nichts anderes übrig, als Abstriche zu machen. In der Regel bedeutet das, alles ein bisschen schneller, ein bisschen oberflächlicher zu machen, bzw. wahrzunehmen. Wer all die interessanten Tweets in seinem Account rausfiltern, lesen und möglicherweise vertiefen wollte, würde nur noch im “Twitterverse” leben (vermutlich tun das auch viele…). Diese Beliebigkeit, das ständige Verpassen von Informationen erzeugt Unzufriedenheit und Stress. Der einzige Ausweg ist aus meiner Sicht, die Beliebigkeit zu akzeptieren und seinen eigenen Rhythmus zu finden.

“Seriously, you just want things to slow down a little and perhaps get really good at using some of the great technologies that are out there before you have to jump on another without even knowing why you’re jumping.”

Auf dem letzten Twittwoch zeigte mir jemand eine neu entwickelte iPhone-Applikation zum versenden elektronischer Blumensträuße (oder sowas ähnliches). Ich sagte spaßeshalber, dass sich meine Frau aber darüber freuen würde, worauf er antwortete “mit deinem Handy geht das leider nicht, aber schenk ihr doch einfach Blumen…”

Tags: ·

6 Kommentare bis jetzt↓

  • Konstanzer Frichtle

    Immer diese neuen Begrifflichkeiten, die was tolles Neues beschreiben wollen. Dabei ist’s im Netz, wie im Leben: Manche Dinge braucht man, manche absolut überhaupt gar nicht. Auch wenn Marketingfuzzies immer gerne was anderes erzählen. Die meisten fallen darauf hinein, wie die Ossis nach der Wende auf schrottreife Westautos.

    Bloggen ist eine prima Sache. Aber Twittern ist völlig bescheuert. Mit 140 Zeichen alle paar Minuten Belanglosigkeiten hinauszuposaunen ist nämlich ein Fall für den Psychater.

    Eins darf man eben nicht vergessen: Es gibt noch eine ganz reale Welt außerhalb der Blogosphäre und dem Netz.

  • Hagen Kohn

    Na so krass sehe ich das aber nicht. Im Gegenteil – es gibt eine Menge interessante Menschen, die twittern und auch was zu sagen haben. Für mich ist Twitter eine prima Empfehlungs-Maschine, über die man auf viele interessante Artikel, Websites, politische Themen, etc… stößt.
    Den Nutzen als professionelles Marketinginstrument sehe ich allerdings kritisch.

    Hagen Kohn

  • Christian Henner-Fehr

    @Konstanzer Frichtle: ich sitze häufig in öffentlichen Verkehrsmitteln und muss anderen Menschen zuhören, wie sie über ihr Handy Belanglosigkeiten von sich geben. Deshalb glaube ich, dass Handys völlig bescheuert sind…

    Spaß beiseite: So wenig das Handy dafür verantwortlich gemacht werden kann, welche Nachrichten auf diesem Weg ausgetauscht werden, genauso unsinnig ist es, Twitter für die Qualität der Tweets verantwortlich zu machen.

    @Hagen Krohn: ich würde Twitter durchaus als Marketinginstrument sehen. Allerdings nur dann, wenn man Marketing nicht als Monolog versteht, sondern als Dialog. Das ist bei vielen aber noch nicht angekommen, deshalb wird man auf Twitter immer häufiger mit dümmlicher Werbung konfrontiert.

  • Hagen Kohn

    @Christian:
    Wir benutzen Twitter ja auch, um unsere Frimenkommunikation auszuweiten, bzw. zu ergänzen. Das Problem ist nur, dass der Nutzen letztenendes nicht messbar ist. Beim Blog ist das anders, da haben wir tatsächlich neue Kunden gewonnen, wiel es nun diese redaktionelle Ebene gibt.

    Hagen

  • Christian Henner-Fehr

    Die Frage ist in meinen Augen, ob es sinnvoll ist, die einzelnen Social Media-Kanäle einzeln zu messen? Ich bin ja davon überzeugt, dass es auf den richtigen Mix ankommt.

    Kunden berufen sich meist auf das Blog, weil sie dort konkrete Anknüpfungspunkte finden und sich wahrscheinlich auch leichter tun als auf eine kryptische 140 Zeichen-Nachricht zu reagieren.

    Aber wie kommen die Leute auf Euer Blog? Ich sehe in meiner Statistik, dass die Zahl der Zugriffe über Twitter und Facebook immer weiter zunimmt. Bis zu diesem Punkt kann ich die Statistik nutzen. Aber wie jemand mich auf Facebook oder Twitter findet, kann ich nicht sagen, da gibt es keine Statistiken mehr darüber.

  • Hagen Kohn

    In jedem Fall können wir festhalten, dass Twitter – richtig eingesetzt – als Multiplikator dienen kann. Darüber hinaus ist es für mich einfach eine großartige “Empfehlungs-Maschine”, die ich als inspirastionsquelle für den Blog nutze.

Hinterlass einen Kommentar

Name

email

Homepage