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Net Powered Artists: Wer hat Angst vor Web 2.0?

08. Juni 2009 von Hagen Kohn · 5 Kommentare · Net Powered Artists

Wenn man die aktuelle Debatte zum Thema Urheberrecht verfolgt, kann man den Eindruck gewinnen, das Internet böte nur Platz für skrupellose, die Autorenrechte schmähende Raubkopierer und unbelehrbare, das Web 2.0 verteufelnde Besitzstandswahrer. Dass sich mit den neuen Medien auch ganz neue spannende Produktions- und Vermarktungsmöglichkeiten ergeben, wird dabei häufig übersehen. Andreas Göldi von Netzwertig.com beschreibt in seinem Blogpost, wo das Missverständnis liegt: Weder die Produzenten (Künstler, Autoren, etc.)  noch die Konsumenten müssen den medialen Wandel fürchten, sondern die Intermediären (Plattenfirmen, Verlage, Logostiker, etc…). Im Klartext: Was sich ändert, ist der Weg vom Produzenten zum Konsumenten. Während die einen noch klagen, öffnen sich für die anderen zahlreiche neue Nischen und Distributionsmöglichkeiten.

Ein schönes Beispiel ist das Autoren-Portal Zehnseiten.de, auf dem jeder Autor zehn Seiten aus seinem aktuellen Buch liest. Zwar handelt es sich ausschließlich um Autoren, die bei etablierten Verlagen gedruckt werden, aber immerhin – hier wurden neue Wege gesucht und gefunden. Ohne Verlage geht es aber auch, siehe Literaturcafe.de oder Scribd, letzeres ein Portal, das es jedermann ermöglicht, Texte hochzuladen und zum Verkauf anzubieten.

Dass der Qualitätsjournalismus nicht notwendigerweise von der gedruckten Zeitung abhängig ist, zeigen erfolgreich bloggende Journalisten wie Stefan Niggemeier oder Blogger-Kollektive wie BoingBoing, die interessante, brisante oder auch skurrile Themen auf hohem Niveau behandeln und derer Autoren nach eigener Aussage “recht komfortabel” davon leben können.

Wovon die vom Hector Fund geförderten Musiker (bislang nur drei Künstler, bzw. Bands) leben, wissen wir nicht. Immerhin ist die Idee, ein CD-Produktion durch Voraus-Spenden zu finanzieren, eine neue und interessante Idee. Auch Sellaband bietet Musikern eine Plattform für ihr Fundraising. Der Traum von einer dadurch gelaunchten Musikerkarriere bleibt aber sicher für viele ein – nun ja – Traum. Dennoch, auch wenn bislang nur Wenige über diese neuen Kanäle zu einer dauerhaften Künstlerexistenz gelangen, so ist dies doch eine bislang nicht dagewesene Chance.

Auch wenn das Web auf absehbare Zeit keine tragfähigen Geschäftsmodelle für Künstler bieten sollte, als Multiplikator ist es schon längst unverzichtbar. Oder hätten wir sonst jemals von diesem genialen Straßenmusiker erfahren?

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5 Kommentare bis jetzt↓

  • Verlagsstarter

    Nur ganz kurz: Es gibt auch für Musiker eine scribd ähnliche Seite und zwar http://www.thesixtyone.com/#/purchases/bazaar/. Großartig, um neue Musik zu entdecken (als User), wieviel verkauft wird über die Seite, weiß ich natürlich nicht. Definitiv kann man aber so an Titel ran, die es nirgends sonst gibt.

  • Christian Henner-Fehr

    “Weder die Produzenten (Künstler, Autoren, etc.) noch die Konsumenten müssen den medialen Wandel fürchten, sondern die Intermediären (Plattenfirmen, Verlage, Logostiker, etc…).”

    Das würde ich pauschal so nicht sagen. Faktum ist, dass zwar die Konsumenten von der derzeitigen Entwicklung profitieren, weil sie für Dinge, die früher etwas gekostet haben, heute nichts mehr zahlen müssen.

    Auf der Produzentenseite schaut es aber schlecht aus. Viele der Produzenten verdienen schlecht oder besser gesagt, noch schlechter als vor den Web2.0-Zeiten.

    Andreas Göldi spricht zu Recht von einer evolutionären Entwicklung. D.h. so schnell wird es keine Geschäftsmodelle geben, bei denen die Produzenten adäquate Einnahmen erwarten können. Und ob sie so lange durchhalten können, bis es dann irgendwann mal vielleicht soweit ist, ist nicht gesagt. Viele von ihnen werden es, davon bin ich überzeugt, nicht schaffen.

  • admin

    @Verlagsstarter: Danke für den Tipp, die Seite kannte ich noch nocht

    @Christian: Ich stimme dir zu, dass Web 2.0 auf absehbare Zeit nicht der alleinige Heilsbringer für Künstler sein wird. Es bietet sich aber für viele eine Chance, auf diesem Wege überhaupt gesehen oder gehört zu werden, was wiederum zu Engagements, Aufträgen, etc… führen kann. Neben den wenigen Etablierten, denen bislang ein Verlag oder eine Plattenfirma eine dauerhafte Existanz gesichert hat, gab es ja immer auch Heerscharen an guten, kreativen Leuten, die unbeachtet blieben, weil sie keine geeignete Plattform hatten. Das wird mir auch immer wieder von Berufsmusikern bestätigt (mit “Produzenten” meinte ich übrigens die Künstler). Beispiel: Ein Künstler, der heute seine Kunst oder Musik über das Internet verbreitet, hat möglicherweise auch einen Brotjob, weil er von der Kunst (bzw. dem Web) allein nicht leben kann. Vor 10 Jahren hätte er nur diesen Brotjob gehabt und seine Kunst wäre im stillen Kämmerlein geblieben. Vielleicht auch das etwas pauschal, aber du weißt was ich meine…

  • Christian Henner-Fehr

    Na wenn sich das zeitlich ausgeht. :-) Ihr wisst ja: all die Tools gibt es kostenlos, nur die Zeit, um diese Tools zu nutzen, die kostet…

  • links for 2009-06-12 « Nur mein Standpunkt

    [...] Net Powered Artists: Wer hat Angst vor Web 2.0? Wenn man die aktuelle Debatte zum Thema Urheberrecht verfolgt, kann man den Eindruck gewinnen, das Internet böte nur Platz für skrupellose, die Autorenrechte schmähende Raubkopierer und unbelehrbare, das Web 2.0 verteufelnde Besitzstandswahrer. Dass sich mit den neuen Medien auch ganz neue spannende Produktions- und Vermarktungsmöglichkeiten ergeben, wird dabei häufig übersehen. (tags: Internet Urheberrecht)   [...]

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