Im Geigenbau gibt es prinzipiell zwei Richtungen: die traditionelle, den “Alten Meistern” verpflichtete und die innovative, nach technischen Neuerungen strebende.
H.R. Chouard gehört zweifelsohne letzterer Gattung an. Der aus Paris stammende und in Freising ansässige Geigen- und Gitarrenbauer ist ein Tüftler aus Leidenschaft, der schon so manche Patentreife Neuerung entwickelt hat. Sein bislang größter Geniestreich: die weltweit einzige feinstimmbare Konzertgitarre “Fret Mobil” mit stufenlos verschiebbaren Bünden. Aktuell hat Chouard einen neuen Geigensteg entwickelt, einen “Energizer” für die Violine.
Wie diese beiden Entwicklungen zusammenhängen, beschreibt er hier:
“Die Konstruktion meiner klassischen Gitarre basiert auf einer Grundidee von 1997. Ich verglich die Decke (nur bestes gespaltenes Fichtenholz) mit dem Fell einer Trommel, das durch das Spannverfahren immer sensibler wird. Ich brachte den Korpus unter Spannung durch das Wölben mit Querbeleistung.
Eine andere Inspiritation kam aus der Bionik (Baumblatt aus dem Urwald). Ich erzielte extreme Festigkeit und konnte so die Masse der Decke drastisch reduzieren, was für den Klang von höchster Wichtigkeit ist. Das Resultat entsprach meine Erwartungen: eine sehr starke Klangdynamik, ein glockenheller Diskant. Ich hatte schon lange die Erfahrung gemacht, dass auch die besten Meistergitarren im Alter “schwammig” werden, ihre Brillianz verlieren, und dass ihr Leben sich im Allgemeinen auf 25 Jahre begrenzt.
Dieses Know-How habe ich ab 2005 in den Neubau meiner Meistergeigen einfließen lassen, so dass meine Violinen sehr schnell in der Tonansprache sind (“Presence”). Ein Vorzug, den man sonst nur bei alten, vielgespielten Violinen findet.
2008 ging es weiter mit einer neuen Idee: ich experimentierte an einem neuartigen Geigensteg. Ich veränderte das konventionelle Bild des Steges, das ich als eng und undefiniert empfand. Ich gestaltete die “D.A.C.-Bridge” mit mehr Auflagefläche auf der Decke, suchte nach Lösungen für mehr Beweglichkeit der Füße und für eine schnellere Übertragung der Saitenimpulse.
D.A.C Chouard klingt freier, klarer und voluminöser. Namhafte professionelle Streicher der Münchner und Salzburger Region kennen ihn schon und sind begeistert. Meine Meistergeigen profitieren sehr von der aus meiner Gitarrendeckenkonstruktion kommenden Erfahrung. Meine Steg-Innovation ist laut Resonanz der Geiger eine wichtige Entwicklung im modernen Geigenbau. Am Lehrstuhl für Psycho-Akustik bei der Bundeswehr-Universität München/Neu-Biberg fanden kürzlich Messungen statt. Der Steg DAC ist demnach in der Lage, mehr Schwingenergie aufnehmen als der traditionelle Steg. Dies ist Grundvoraussetzung dafür, dass er mehr Energie an den Korpus weiterleiten kann.
Näheres zur D.A.C.-Bridge erfährt man direkt beim Meister selbst.


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