Es gibt ihn eben doch, den Unterschied zwischen E- und U-Musik – zumindest bei der Qualität rechtefreier und kostenlos angebotener Musik im Internet. Dass es in den Bereichen House, Techno, Rock und Pop interessante Public Domain Music zu finden gibt, zeigt beispielsweise Mo Sauer auf seinem wöchentlichen Portal Netzmusik. Ebenfalls lohnenswert ein Klick auf folgende Liste der 100 besten Links zu kostenlosen und legalen Angeboten.
Hier finden sich auch einige Angebote aus dem Klassikbereich, wie z.B. das Public-Domain-Portal Musopen, wo neben Noten-Downloads auch Musik kostenlos und rechtefrei(!) angeboten wird. Die ersten Hörproben lassen das gut gemeinte und professionell präsentierte Projekt allerdings fraglich erscheinen: Wer Cembalomusik im Schreibmaschinen-Stil schätzt oder Beethovens Fünfte auf Schulorchester-Niveau genießen möchte, kommt hier auf seine Kosten. Für die Ohren echter Klassik-Fans ist diese Quelle jedoch nicht zu empfehlen. Das Slovenian Army Orchestra, oder Laienensembles und Musikstudenten aus dem Umfeld von Musopen-Gründer Aaron Dunn musizieren eben auf einem anderen Niveau als ein subventioniertes Staatsorchester. Ebenfalls fraglich ist das Konzept, über Spenden neue Einspielungen zu finanzieren, zumal von Werken, die bereits hundertfach und in erstklassiger Qualität (teilweise zum Schnäppchenpreis) vorliegen. In Hinblick auf den Klassik-Markt scheint die Plattenindustrie recht zu behalten: Qualität hat ihren Preis.
Während Bands und DJs im Proberaum oder im heimischen Wohnzimmer qualitativ hochwertige Musik produzieren können, ist Orchestermusik auf ein hoch professionelles und finanziell gut ausgestattetes Umfeld angewiesen. – soweit unser Plädoyer für die staatliche Subventionierung der Kulturbranche.
Wäre es nicht denkbar, dass Plattenlabels und Rundfunkarchive einen kleinen Teil ihres immensen musikalischen Fundus kostenlos und rechtefrei zur Verfügung stellen und sich somit bei der Öffentlichkeit revanchieren? Ein solches Angebot würde sicher nicht nur eingefleischte Konzertgänger interessieren und könnte traditionellen Vermarktern von Musik sogar Zuwächse bescheren. Dass ein Nebeneinander von kostenlosem und kostenpflichtigem Angebot funktionieren kann, haben andere Branchen längst bewiesen.

Ein Hesse-Zitat, wie nett!
Der Artikel ist glänzed geschrieben und wichtige Gedanken klar ausgesprochen! Im letzten Abschnitt hätte ich sogar noch stärker formuliert, dass es mehr als wünschenswert wäre, wenn Plattenlabels und Rundfunk-Archive einige Stücke kostenfrei aus ihrem Fundus zur Verfügung stellen würden.
Da freut man sich doch glatt auf den nächsten Blogbeitrag – weiter so, Herr Hagen!
Danke!
“Hagen” reicht übrigens – das ist mein Vorname